Guide · Marcel Steiert

Fünf Routinen, die Claude für dich vorbereitet

Mahnungen, Monatsabschluss, Lohnlauf, Marketing, Termine. Nichts davon ist schwer. Aber zusammen fressen sie deine Woche.

Hier ist die Liste mit den Startschritten aus dem Beitrag. Erst richtest du einmal das Fundament ein, dann bekommst du pro Routine: was du dafür brauchst, meinen Auftrag an Claude zum Kopieren und was bewusst bei dir bleibt. Das Prinzip ist immer gleich: Claude liest und entwirft, du gibst frei.

Einmal. Ein Projekt für deine Routinen anlegen und deine Programme verbinden. Rund 30 Minuten.
Jede Woche. Den passenden Auftrag kopieren, Export oder Postfach dazu, Claude bereitet vor.
Immer. Du liest, korrigierst und gibst frei. Nichts geht raus ohne dein OK.

Stand: Oktober 2026. Die Angaben zu Connectors und Datei-Erstellung habe ich in der offiziellen Claude-Hilfe von Anthropic nachgeprüft (support.claude.com). Menüs sind teils auf Englisch und können je nach Version leicht anders heißen.

Ehrlich vorweg: Was sich direkt verbinden lässt, hängt von deinem Konto und deinen Programmen ab. Mail, Kalender und Dateiablage von Google oder Microsoft 365 lassen sich in Claude anbinden. Für Buchhaltung, Zeiterfassung und Lohn brauchst du meist keinen direkten Anschluss: Ein Export als Excel- oder CSV-Datei reicht, den lädst du einfach in den Chat. Deshalb steht bei jeder Routine, welchen Weg ich nehmen würde.

Das Fundament: einmal einrichten

  1. Ein Projekt „Büro-Routinen“ anlegen

    In Claude links auf Projects, neues Projekt „Büro-Routinen“. In die Projekt-Anweisungen kommt dieser Steckbrief. Ab dann weiß Claude in jedem Chat dieses Projekts, wie du arbeitest, und du musst es nie wieder erklären.

    Projekt-Anweisungen
    Du bereitest meine wiederkehrenden Büro-Routinen vor. Ich bin [Name], [Rolle] bei [Firma, Branche, Anzahl Mitarbeitende].
    
    So arbeitest du:
    - Du liest, sortierst und schreibst Entwürfe. Du schickst nichts ab, buchst nichts und änderst nichts in meinen Programmen, ohne dass ich ausdrücklich zustimme.
    - Unser Ton: [du oder Sie], kurz, freundlich, verbindlich, keine Floskeln.
    - Feste Regeln: Beträge in [CHF/EUR], Datumsformat TT.MM.JJJJ, Preise [netto/brutto].
    - Wenn dir eine Angabe fehlt, rätst du nicht. Du schreibst [FEHLT: ...] an die Stelle und sammelst offene Fragen am Ende.
    - Am Ende jeder Vorbereitung: eine kurze Liste, was ich prüfen oder entscheiden muss.

    Die eckigen Klammern ersetzt du durch deine Angaben. Projekte gibt es in jedem Claude-Plan, auch im kostenlosen.

  2. Datei-Erstellung einschalten

    Unter Settings, Capabilities den Schalter „Code execution and file creation“ einschalten. Dann liest Claude deine Excel- und CSV-Exporte sauber aus und gibt dir Ergebnisse als fertige Excel- oder Word-Datei zurück. Laut Anthropic in allen Plänen verfügbar, bis 30 MB pro Datei.

    Im Team- oder Enterprise-Plan schaltet das der Inhaber unter Organization settings, Capabilities frei.

  3. Mail und Kalender verbinden

    Unter Customize, Connectors auf das Plus und deinen Anbieter wählen:

    • Google (Gmail, Google Calendar, Google Drive): verbinden, mit deinem Google-Konto anmelden, fertig. Claude kann dann Mails lesen und Entwürfe schreiben, Termine lesen und anlegen, Dateien in Drive finden.
    • Microsoft 365 (Outlook, Kalender, OneDrive, SharePoint, Teams): Ein globaler Microsoft-Administrator deiner Firma muss einmal zustimmen (in vielen KMU bist das du selbst). Danach ist der Connector laut Anthropic nur lesend. Für Entwürfe und Termine müssen die Schreibrechte vom Administrator zusätzlich freigegeben werden. Alternative für Entwürfe direkt im Postfach: das Add-in „Claude for Outlook“.
  4. Die Bremse setzen

    Der Gmail-Connector kann laut Anthropic nicht nur Entwürfe schreiben, sondern auch senden. Standardmäßig fragt Claude vor dem Senden nach. Ich gehe einen Schritt weiter: Unter Customize, Connectors beim jeweiligen Connector die Berechtigungen öffnen und alles, was sendet, löscht oder teilt, auf Blocked oder mindestens Needs approval stellen. Lesen und Entwürfe dürfen auf Always allow.

    So kann gar nichts versehentlich rausgehen. Abschicken tust du selbst, aus deinem Postfach.


Routine 1: Mahnungen schreiben und nachfassen

Was du brauchst: die Liste der offenen Posten aus deinem Buchhaltungsprogramm als Excel- oder CSV-Export (Kunde, Rechnungsnummer, Betrag, Fälligkeit, bisherige Mahnstufe). Fast jedes Buchhaltungsprogramm bietet diesen Export unter „Offene Posten“ oder „Debitoren“.

Auftrag · Mahnungen
Hier ist die Liste meiner offenen Rechnungen (Datei im Anhang). Heute ist der [Datum].

1. Sortiere alle überfälligen Rechnungen nach Tagen über Fälligkeit.
2. Ordne jede einer Stufe zu:
   - bis 14 Tage: freundliche Erinnerung
   - 15 bis 45 Tage: deutliche Mahnung mit neuer Zahlungsfrist von 10 Tagen
   - über 45 Tage oder bereits zweimal gemahnt: KEIN Mail-Entwurf, sondern auf die Liste "Ich rufe an"
3. Schreib für jede Rechnung der ersten zwei Stufen einen Mail-Entwurf im passenden Ton, mit Rechnungsnummer, Betrag und ursprünglicher Fälligkeit. Gebühren oder Zinsen nur, wenn ich sie dir unten nenne.
4. Am Ende: Tabelle mit Kunde, Betrag, Tage überfällig, Stufe, und die Anrufliste mit Gesamtsumme.

Mahngebühren/Verzugszins laut meinen AGB: [keine / Betrag]

Mit verbundenem Postfach kannst du anhängen: „Leg die Entwürfe in meinem Postfach als Entwurf ab, nicht senden.“ Ohne Verbindung kopierst du sie aus dem Chat.

Bleibt bei dir: Jede Mahnung vor dem Versand lesen. Bei Kunden, die lange schulden, greifst du selbst zum Telefon. Ein Anruf rettet dort mehr als jede Mail. Und ob du Gebühren oder Zinsen verlangst, entscheidest du nach deinen AGB, nicht Claude.

Routine 2: Den Monatsabschluss vorbereiten

Was du brauchst: den Kontoauszug des Monats als CSV-Export aus dem E-Banking und eine Liste deiner Belege. Die bekommst du am einfachsten so: Belege eines Monats in einem Ordner sammeln, Dateinamen nach dem Muster 2026-10-03_Lieferant_Betrag.pdf. Liegt der Ordner in Google Drive oder OneDrive und ist verbunden, findet Claude ihn selbst. Sonst lädst du die Belege direkt in den Chat.

Auftrag · Monatsabschluss
Bereite meinen Monatsabschluss für [Monat Jahr] vor. Im Anhang: der Kontoauszug als CSV und meine Belege [bzw.: die Belege liegen im Ordner "Belege [Monat]"].

1. Gleiche jede Buchung auf dem Konto mit den Belegen ab (Datum, Betrag, Gegenpartei).
2. Erstelle eine Excel-Datei mit drei Blättern:
   - "Zugeordnet": Buchung und passender Beleg
   - "Beleg fehlt": Buchungen ohne Beleg, mit Datum, Betrag und Gegenpartei
   - "Beleg ohne Buchung": Belege, zu denen ich keine Bewegung finde
3. Darunter eine kurze Liste: Welche Belege muss ich bei wem anfordern?

Du buchst nichts und ordnest keine Konten zu. Das macht mein Treuhänder.
Bleibt bei dir: Das Buchen bleibt beim Treuhänder oder deiner Buchhaltung. Claude sorgt nur dafür, dass du vollständig ablieferst. Prüf die Zuordnungen stichprobenartig, besonders bei gleichen Beträgen am selben Tag.

Routine 3: Stunden für den Lohnlauf zusammentragen

Was du brauchst: den Export deiner Zeiterfassung für den Monat (Person, Datum, Stunden, Abwesenheiten) und die Soll-Stunden pro Person. Arbeitet ihr noch mit Stundenzetteln in Excel, lädst du einfach alle Dateien hoch.

Auftrag · Lohnlauf
Hier ist der Export der Zeiterfassung für [Monat Jahr]. Soll-Stunden: [z. B. Person A 168, Person B 84 (50 %), ...].

1. Fasse pro Person zusammen: Ist-Stunden, Soll-Stunden, Differenz, Ferien, Krankheit, sonstige Abwesenheiten.
2. Markiere alles, was ich prüfen muss: mehr als 5 Überstunden, fehlende Tage, doppelte Einträge, Einträge am Wochenende.
3. Gib mir das Ergebnis als Excel-Tabelle, eine Zeile pro Person, Auffälligkeiten in einer eigenen Spalte "prüfen".

Rechne keine Löhne aus und mach keine Annahmen zu Zuschlägen. Nur zusammentragen und markieren.
Bleibt bei dir: Die Zahlen trägst du selbst ins Lohnprogramm ein, nach deiner eigenen Prüfung. Und Lohn- und Personaldaten sind besonders sensibel: Kläre vorher, ob das nach den Regeln deiner Firma in ein KI-Tool darf. Im Zweifel ersetzt du die Namen im Export durch Kürzel (A, B, C), Claude braucht keine Namen, um Stunden zu zählen.

Routine 4: Eine Aktion planen und alle Texte entwerfen

Was du brauchst: einen Satz zur Aktion. Mehr nicht. Wenn du willst, dazu zwei, drei alte Newsletter oder Posts, damit Claude deinen Ton trifft.

Auftrag · Aktion
Aktion: [z. B. Herbstaktion: 15 % auf alle Workshops bis Ende Oktober]
Zielgruppe: [wer soll buchen]
Kanäle: Newsletter, Instagram, Website

1. Schlag mir einen Ablauf vor: Was geht wann raus, bis zum Ende der Aktion (Start, Erinnerung, letzte Chance).
2. Schreib für jeden Termin den passenden Text:
   - Newsletter: Betreff (3 Varianten), Text mit maximal 150 Wörtern, ein klarer Button-Text
   - Instagram: Caption mit Einstieg in der ersten Zeile, ohne Hashtag-Wolke
   - Website: Banner-Zeile und ein kurzer Abschnitt
3. Alle Texte mit derselben Kernaussage, nichts erfinden, was nicht in der Aktion steht (keine Zusatzrabatte, keine Fristverlängerung).

Mit verbundenem Kalender kannst du ergänzen: „Trag die Versandtermine als Erinnerung in meinen Kalender ein.“ Claude fragt vorher nach.

Bleibt bei dir: Preise, Bedingungen und Fristen prüfst du gegen dein echtes Angebot. Veröffentlichen tust du selbst, in deinem Newsletter-Programm und auf Instagram.

Routine 5: Termine abstimmen, Mails beantworten

Was du brauchst: verbundenes Postfach und verbundenen Kalender aus dem Fundament. Ohne Verbindung geht es auch: Mail in den Chat kopieren und deine freien Zeiten dazuschreiben.

Auftrag · Terminanfrage
In meinem Posteingang liegt eine Terminanfrage von [Name oder Firma].

1. Lies die Anfrage und fass zusammen: worum geht es, wie lange, vor Ort oder online.
2. Schau in meinen Kalender und such drei freie Zeiten in den nächsten [10] Arbeitstagen. Regeln: nicht vor [8:30], nicht nach [17:00], 15 Minuten Puffer vor und nach anderen Terminen, [Freitagnachmittag] frei lassen.
3. Schreib eine kurze Antwort mit den drei Vorschlägen und leg sie als Entwurf in meinem Postfach ab. Nicht senden. Keinen Termin eintragen, bevor ich zugesagt habe.
Für jeden Morgen
Geh meine ungelesenen Mails seit gestern durch und sortiere sie in drei Gruppen: was mich braucht, wofür du mir einen Antwort-Entwurf vorbereiten kannst, was ich archivieren kann. Pro Mail ein Satz, warum. Für die zweite Gruppe leg die Entwürfe ab, ungesendet.
Bleibt bei dir: Jeder Entwurf wird gelesen, bevor du auf Senden klickst. Zusagen zu Preisen, Fristen oder Verträgen formulierst du selbst.

So verteilst du es auf den Monat

Bevor du loslegst

Mein Rat zum Schluss

Fang nicht mit allen fünf an. Nimm die Routine, die dich am meisten nervt, und lass Claude sie zwei Wochen lang vorbereiten. Wenn du merkst, dass du nur noch prüfst statt schreibst, kommt die nächste dazu.

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